Die Wurzel unserer Probleme – Ein Lösungsvorschlag

7. Juni 2010 at 18:21 (Gesellschaft, Natur, Politik) (, , , , , , , , , )

Für eine neue Welt.

Unsere Gesellschaft schiebt einen riesigen Berg von Problemen vor sich her, deren Vermehrung und Verschärfung inzwischen so rasant geworden ist, daß uns zu ihrer Lösung kaum noch etwas einfällt, wir kommen einfach nicht hinterher (Kostenexplosion im Gesundheitswesen, Massenarbeitslosigkeit, Armut, Klimaerwärmung, Gewalt usw.). Politiker und „Fachleute“ doktorn an einzelnen Symptomen herum, ohne wirklich etwas zu verbessern, eher im Gegenteil

Da wird die energieintensive Aluminiumproduktion von der „Ökosteuer“ ausgenommen, um einige Jahre später über eine Abgabe auf Getränkedosen zustreiten, es werden die Kürzung der Sozialhilfe oder schärfere Gesetze gefordert und Verkehrsleitsysteme oder Gentechnik als Innovation bejubelt und mit hochdotierten Preisen belohnt.
Solche Scheinlösungen haben jedoch den Nachteil ihrerseits ein ganzes Bündel neuer Probleme zu schaffen, deren Abfederung meist ein noch größeres Bündel am Gegenmaßnahmen erfordert, die dann auch wieder nur Scheinlösungen sind. Die Katze beißt sich in den Schwanz.
Das hat dazu geführt, daß viele Menschen resigniere: „Das System ist nicht reformierbar“, „Das System muss zusammenbrechen, damit etwas neues entstehen kann“. Andere sind dahin gekommen die globale Krise gleich ganz zu leugnen oder wenigsten zu ignorieren.
Dabei wäre eine Lösung unserer Probleme erstaunlicherweise mit einen einzigen Handgriff zu erreichen.

Es gab immer wieder Menschen, die Lösungen für Probleme gefunden haben, die sie selbst gar nicht kannten. Einer dieser Menschen war der britische Ökonom Adam Smith (1723-1798). Er entdeckte ein natürliches Gesetzt, welches er das „Prinzip der unsichtbaren Hand“ nannte. Es lautet: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.. Das bedeutet, daß Dinge, die im Überfluss vorhanden sind z.B. Wasser einen relative niedrigen Preis, und Dinge, die knapp sind z.B. Silber ihrer Seltenheit entsprechend höheren Preis haben.

Dieses Grundgesetz der Marktwirtschaft ist die Säule, auf der ihr gesamtes Gedankengebäude ruht. Es ist Charakteristikum und Spielregel im einem, ohne Zusätze, ohne Stolperfallen, ohne Hintertürchen.
Aber wie kann dieser banale Satz von Angebot und Nachfrage uns oder gar den ganzen Planeten retten? Schließlich leben wir seit Jahrzehnten in einer Marktwirtschaft!!
Letzteres haben wir so oft gehört, es geht uns so leicht von den Lippen, daß wir ganz vergessen haben es einfach einmal auf seinen Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen.
Nun wäre es müßig für jedes Auto, jedes Paar Schuhe, jede Nagelfeile eine eigene marktwirtschaftliche Untersuchung anzustellen. Gibt es nicht wie die Säule, auf der das Gedankengebäude der Marktwirtschaft ruht auch denen die tatsächliche, materielle Volkswirtschaft ruht?
Doch, die gibt es. Man kann erkennen, daß von den Chinesen über die Ägypter, die Griechen und Römer bis hin zu unserer Kultur alle Volkswirtschaften, ja alle Zivilisationen auf zwei Säulen ruhen. Sämtliche Produkte beinhalten beide in unterschiedlichen Anteilen. Nimmt man eine weg, bricht alles zusammen.
Würde man diese beiden Säulen auf das Wirken des marktwirtschaftlichen Grundprinzip hin untersuchen, müsste man doch klar sehen, ob das, was die Säulen tragen tatsächlich eine Marktwirtschaft ist oder nicht:
Für eine Volkswirtschaft benötigt man zunächst ein Volk. Dieses ist in der Lage Arbeiten zu vernichten. Die erste Säule heißt also „Arbeitskraft“. Wie sieht es nun aus, ist Arbeitskraft in den reichsten Industrienationen (USA, Japan, Deutschland, Italien) frei verfügbar oder eher knapp?
Jeder weiß, daß sie im Überfluss vorhanden ist. Nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage müsste Arbeitskraft also äußert preiswert sein. Tatsächlich ist sie aber im Gegenteil sogar ausgesprochen teuer. Das hat seinen Grund und den finden wir in der zweiten Säule – der Energie.
Wir benötigen riesige Mengen an Kohle, Öl und Gas zum Heizen, für unsere Mobilität, den Betrieb von Fabriken usw. Ein geradezu lächerlich winziger Bruchteil davon lagert in Form von Braun- und Steinkohle auf deutschem Boden. Der ganze Rest muss unter großem Aufwand z.B. aus Sibirien, Saudi Arabien oder Nigeria herangeschafft werden.
So gesehen ist Energie enorm knapp und müsste nach dem marktwirtschaftlichen Prinzip relativ teuer sein, aber auch das ist nicht der Fall und jetzt sind wir mittendrin!
Energie wird nämlich vom Staat künstlich billiger gemacht, als sie eigentlich ist. Dieses mit Hilfe eines unübersichtlichen Systems aus tausenden offenen und versteckten, direkten und indirekten Subventionen: 30 cent pro Kilometer, wen wir mit dem Auto zur Arbeit fahren, 21,48 cent pro Liter dafür, daß Landwirte mit panzerschweren Maschinen die Böden ruinieren, Aufhebung der Landschlusszeiten nur für Tankstellen (Quersubvention möglich), Ausnahme von der „Ökosteuer“ ausgerechnet für die energieintensive Industrie (z.B. Aluminiumgewinnung, Energieerzeuger), 1,5 Mrd. DM für den Bau der Leunaraffinerie und das Minol-Tankstellennetz als Kostenlose Dreingabe, beim Flugbenzin (also der Tourismusindustrie) verzichtet der Staat vorsichtshalber gleich ganz auf die Erhebung einer Steuer, Flugbenzin ist steuerfrei! Die Liste ließe sich endlos fortsetzen, es werden gigantische Geldmengen ungeschichtet.
Die Gelder gehen an Energieerzeuger, Endkunden und Firmen, die so ihr Erzeugnisse billiger anbieten, als sie eigentlich sind. In vielen Fällen wird dadurch erst künstlich ein Markt für an sich unverkäufliche und vollkommen überflüssige Produkte geschaffen, die an anderer Stelle immense Folgekosten verursachen (Zigaretten, Getränkedosen, Werbung). Die Adresse haben wir jetzt grob lokalisiert, aber wir ist der Absender?
Woher kommt das ganze Geld?
Die Antwort ist so einfach, wie erschreckend: von der anderen Säule- der Arbeitskraft.
Die Steuern und damit die Kosten der Arbeitskraft werden durch diese Subventionen künstlich angehoben. Gleichzeitig werden durch den oben erwähnten Mechanismus z.B. die Kostenexplosion im Gesundheitswesen, Arbeitslosigkeit und Umweltschäden verursacht, was die Lohnnebenkosten gleich noch einmal in die Höhe treibt. Das schaukelt sich selbst auf.
Das ist der Wahnsinn, der letzten Endes für so ziemlich alle Probleme auf unseren Planeten verantwortlich ist. Was auch immer man betrachtet (z.B. Bevölkerungsexplosion, Artensterben, Verrohung der Gesellschaft), wer es ehrlich durchdenkt wird in jedem Fall feststellen, daß die Ursache darin liegt, daß unsere gesamte Wirtschaft auf dem Nichtfunktionieren des marktwirtschaftlichen Prinzips von Angebot und Nachfrage fußt, welches schon an den beiden Säulen (Arbeit und Energie), auf denen alles ruht, also der Basis unserer Zivilisation, ausgehebelt und in sein Gegenteil pervertiert wird.
Nur dadurch ist es möglich, daß 20% der Weltbevölkerung 80% der Weltrohstoffe verbrauchen, das meiste davon sinnlos verschwenden und der Rest der Menschheit leer ausgeht.
Nur dadurch ist es möglich, daß Industrien boomen, die in erster Linie Energie verbrauchen und die es unter marktwirtschaftlichen Bedingungen so gar nicht gäbe (z.B. Werbe-, Tabak-, Baumwoll-, Massentierhaltungsindustrie).
Nur dadurch ist es möglich, daß Industrien, die weniger Energie benötigten, dafür aber mehr Personal (Stichwort Arbeitslosigkeit) keine wirkliche Chance haben (z.B. Solar-, Windenergie, Hanfindustrie, ökologischer Landbau, echte Preislaufwirtschaft, Mehrfachnutzung durch Energiekaskaden, biokybernetische Technologien [Bionik]).
Der eingangs erwähnte einzige „Handgriff“ zur Lösung unserer Probleme ist als in Wahrheit gar nicht, was wir tun, sondern nur etwas, das wir lassen müssen, nämlich das weltweite Subventionieren von Energie. Gut wäre es natürlich, wenn nach und nach alle Subventionen ausliefen.
Um also wirklich innovativ zu sein und den Sprung von der niederen Organisationsform des eigentlich ungerechten Kapitalismus auf die höhere Organisationsform der vom Wesen her demokratischen Marktwirtschaft zu schaffen ist es nicht notwendig viel zu tun, sondern es gemeinsam zu tun, also in einer Form echter, sozusagen geistiger Globalisierung. Nur so kann das für die ganze Menschheit völlig neue Experiment „Marktwirtschaft“ erfolgreich verlaufen.

Dabei werden wir nicht in kühlen Wohnungen sitzen um das Klima zu schonen, wir werden spottbillige Heizungsanlagen haben, die ein sehr gesundes und anregendes Raumklima verbreiten.
Wir werden nicht auf unsere Reisefreiheit verzichten müssen, sondern Mobilität auf allerhöchsten Niveau genießen, auch in geistiger Hinsicht.
Wir werden nicht massenhaft arbeitslos, sondern es werden völlig neuartige Technologien, Wirtschaftszweige und Arbeitsplätze entstehen, von denen wir jetzt nicht einmal träumen können. Dies auf Basis von in jeder Weise innovativer Arbeits- und Vergütungsmodelle.
Marktwirtschaft bedeutet nicht Verzicht oder gar Verlust, sondern riesigen Gewinn.
Marktwirtschaft bedeutet nicht, wie jetzt noch, gegen die Natur zu arbeiten, sondern die unglaublichen Potentiale unserer Biosphäre gewinnbringend zu nutzen.
Marktwirtschaft bedeutet nicht Egoismus, sondern die Anerkennung der Tatsache, daß sechs Milliarden Menschen eine Familie sind, die nur diesen einen Planeten besitzt.
Wenn wir das begreifen, wird die Erde für alle Menschen, Tiere und Pflanzen ein schöner Ort zum Leben sein und bleiben.
[Autor: Nephilim]

Der Artikel stammt aus dem Jahr 2002, deshalb stimmen die Faktischen Zahlen angaben nicht mehr mit heutigen Werten überein, doch das Prinzip ist immer noch das selbe.
Erweitern möchte ich diesen Vorschlag um eine Erhöhung der Energie Kosten. Damit soll die Wirkung verstärkt werden, weg von der Energie und Ressourcen Verschwendung hin zu Ökologischen und Ökonomischen Nutzung und auch der Preis der Umweltzerstörung mit eingerechnet wird. Denn wir haben schon einige Jahren an Zeit, für diesen weg verloren und werden noch einige Jahre brauchen dies Änderung um zusetzen, des weiteren wird es noch weiterhin Subventionen in anderen Ländern gegeben. Die wiederum den Energie Sektor verbilligen.
Erwähnen soll ich das der Autor diese Ansicht nicht vertritt, allerdings auch meine Argumentation (Erdöl wird durch Subventionen in anderen Ländern weiterhin „billig“ für uns bleiben) nicht widerlegen konnte.

Lesenwertes (Grundlage des Artikels):
Frederic Vester
Neuland des Denkens – Vom technokratischen zum kybernetischen Zeitalter
erschienen bei dtv
ISBN: 3-421-02703-X

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